Paartaler Stadtzeitung - 16 08 2006
Gülle, Gift und Galle von Joachim Meyer
Der Herbst begann für Peter Bergmair gandios: zuerst persönliche Bestzeit beim Friedberger Halbmarathon, anschließend spirituelle Erleuchtung bei Papst Benedikt XVI. Doch dann kam das profane Thema "Schweinegülle". Es stank. Die ganze Herrlichkeit war vorbei.
Die jüngste Bürgerversammlung wurde für den Rathauschef unversehens zur Würgerversammlung, denn schnell befand er sich im Würgegriff von geruchsempfindlichen Anwohnern der Lechleite. Mann müsse aufpassen, dass das ganze Unternehmen "Schweinemastbetrieb in der Friedberger Au" nicht zu einem "Flächenbrand" auswachse, so ein besorgter Bürger. Der Gestank werde sich keineswegs auf den Standort beschränken, sondern die ganze Stadt mit Duftwolken überziehen. Gülle werde hin- und hergefahren, die Stadt mitunter zu einem einzigen riesen Saustall.
Zu einem früheren Zeitpunkt wäre das Bauvorhaben der drei Landwirte leichter zu stoppen gewesen, giftete Anwohner Werner Brackmann gallig in Richtung Rathauschef, Stadtverwaltung und Stadträte. Mit einer rechtzeitig erlassenen Veränderungssperre hätte man das Projekt verhindern können. Kommunalreferent Basch konterte, dass eine "reine Verhinderungsplanung ohne positive Planungsziele" keinen Bestand vor Gericht gehabt hätte. Der artige juristische Paragraphenreiterei ficht Brackmann indes nicht an. "Feige" verstecken sich die Stadträte hinter möglichen Schandensersaztforderungen, die angeblich von den Landwirten gelten gemacht werden könnten, so ein Vorwurf. Das kommunalpolitische Binnenklima in Friedberg scheinet vorerst vergiftet, ein Ausweg aus dem Schweinemastdilemma nicht in Sicht. Dabei eröffnet die ganze Situation doch verlockende Perspecktiven. Sollte der Schweinemaststall erst einmal gebaut sein. wäre vieles vorstellbar.
an schwülwarmen Sommerabenden, vorzugsweise bei den gefürchteten Inversionswetterlagen, könnte der emeritierte Schlagerbarde Wolfgang Petry im Innenhof des Wittelsbacher Schlosses ncoh einmal zum Mikrophon greifen und dem geneigten Publikum eine adaptierte Version seines Gasenhauers "Wahnsinn" zu Gehör bringen: "Wahnsinn - warum schickst du mich in die Gülle? Eskalt - lässt du meine Nase perforieren!" Moderator der Veranstaltung: Günther Jauch. Jauch und Jauche - das wäre unschlagbar!...zurück
Paartaler Stadtzeitung - 21 10 2006
Menschen, Tiere, Sensationen von Joachim Meyer
Der Komunalwahlkampf tobt in Friedberg. Es wird taktiert, laviert, verzögert und verschleppt. Dichtung und Wahrheit, Fiktion und Realität, Anspruch und Wirklichkeit - selten lagen diese Kategorien weiter auseinander als bei der Diskussion um den geplanten Aussiedlerhof in der Friedberger Au.
CSU-Fraktionschef Manfred Losinger, der aufgrund "persönlicher Befangenheit" von der Debatte und der Abstimmung im Stadtrat ausgeschlossen war, machte seinem Ärger in Vorfeld der entscheidenden Stadtratssitzung Luft: "Es kann nicht sein, dass der Bauausschuss das von den Landwirten Hintermayr, Körner und Augustin vorgelegte Konzept zum Neubau einer landwirtschaftlichen Hofstelle mit Schweine- und Rinderstall in der Friedberger Au mit 12:0 Stimmen zustimmend zur Kenntnis nimmt und sich anschließend einige Mitglieder nicht mehr daran erinnern können." Auch die SPD-Stadträte in diesem Gremium seien damit einverstanden gewesen, dass ein Genehmigungsverfahren nach § 35 Baugesetzbuch abgewickelt wird.
Mit dieser Interpretation mag sich SPD-Fraktionschef Fuchs nicht so recht anfreunden. "Zur Kenntnis nehmen" bedeutet zunächst einmal nichts anderes als "neutral in seinen Wissensbestand aufnehmen". Von einer Billigung könnte keine Rede sein. Ein Schweinemastbetrieb dieser Größenordnung laufe den Zielen eines Naherholungsgebietes "eindeutig" zuwider. Mit der Ablehnung des SPD-Antrags im Stadtrat dürfte das Kapitel "Schweinemast" aber noch nicht beendet sein. Zu viel Emotionen sind im Spiel und damit auch zu viele potentielle Wählerstimmen.
Die Marschrichtung der kommenden Wochen und Monate ist klar. Roland Fuchs ist ein zu erfahrener Wahlkampfstratege, als dass er sich die Chance entgehen ließe, die CSU-Fraktion als Förderer einer "gestankverbreitenden Agrarfabrik" vor den Toren der Stadt zu brandmarken. Umgekehrt wird sein Pendant, Manfred Losinger alles in seiner Macht Stehende unternehmen, um diesen Wählerstimmen kostenden Vorwurf aus der Welt zu räumen. Um die Sache geht es schon längst nicht mehr.
Sinnvoller wäre allerdings ein kleiner runder Tisch, an den sich Vertreter der Stadt, die Bauwerber und die Initiatoren der Unterschriftenkampange setzten. Ein fairer Interessenausgleich sollte immer noch möglich sein. Regionale Direktvermarktung mit transparenten Transportwegen ergibt - gerade in Zeiten des Gammelfleisches - durchaus Sinn. Auf der anderen Seite müssen die Ängste und Sorgen der Anwohner bezüglich der zu erwartenden Geruchsbelästigung ernst genommen werden.
Als Leitfaden für ein Gespräch sollte der Satz des Schriftstellers Martin Walser gelten: "Wenn man von etwas nicht auch das Gegenteil sagt, sagt man nur die Hälfte. Ohne sein Gegenteil ist nichts mehr wahr." ...zurück
Friedberger Allgemeine - 23 09 2006
Anrüchiges rund um die Schweinemast von A.Schmidt
Welche Sau wird heute durch das Dorf getrieben, fragt man sich manchmal. Denn es ist erstaunlich, welche Eigendynamik manche Themen entwickeln - was plötzlich heftig umstritten ist, das anderswo oder zu einer anderen Zeit sang- und klanglos auf dem Verwaltungswege über die Bühne gegangen wäre. Manchmal tun einem dann die Betroffenen leid, die zunächst gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Dies trifft auf die drei Friedberger Landwirte mit ihrem Schweinemastprojekt zu - ein Vorhaben zur rechten Zeit, wenn einem beim Gedanken an Gammelfleisch über wird. Eigentlich gehört das Trio darin bestärkt, nicht weit weg vom Hofladen Schweine zu mästen, von denen man weiß, was sie zum Fressen bekommen.
Ob es sich schon um "industrielle Viehhaltung" handelt, wie es im Stadtrat teilweise hieß, darüber lässt sich trefflich streiten. Auch im Vergleich zu anderen ausgesiedelten Schweineställen im Stadtgebiet zählt das Projekt nicht zu den ganz großen. Den Landwirten kann man es abnehmen, dass sie alles dafür tun wollen, um Geruchsbelästigung zu vermeiden. Dies liegt schon in ihrem eigenen Interesse. Würde die "Sau in der Au" stinken bedeutete dies einen Image- Verlust, der Kunden aus dem Hofladen vergraulen würde.
Die Infofahrt der Landwirte hat gezeigt, dass sich Geruchsbelästigung tatsächlich in Grenzen halten. Schade, dass so wenige Gegner des Projektes bereit waren mitzufahren. Damit wurde eine Gelegenheit verpasst, sich ohne Vorurteile eine Meinung zu bilden. Eines zeigte die Fahrt aber auch: Völlig geruchsneutral geht es nicht. Ob und wie weit die "Sau in der Friedberger Au" tatsächlich stinken würde, ist im Vorfeld letztlich also schwer zu beurteilen. So unwahrscheinlich eine Geruchsbelästigung im weiteren Umkreis letztlich ist - hundertprozentig kann man sich vorab nicht sicher sein, dass doch einmal ein "Düftchen" bis zur Nachbarschaft weht. Dass sich Nachbarn Sorgen machen, ist also durchaus nachvollziehbar - insbesondere wenn bei Gewerbebetreibenden im Freizeitbereich Existenzen daran hängen.
Das Hauptproblem des Schweinemaststalls ist, dass er in einem Bereich geplant ist, wo die Friedberger nach der Freizeit-Bruchlandung hypersensibel auf Veränderungen reagieren. Tatsächlich hat bislang dem Stadtrat der Mut gefehlt, künftige Planungsziele für den Bereich rund um den See festzulegen. Es ist nicht sehr viel mehr passiert, als dass das Sportgarten-Konzept der Lokalen Agenda halbwegs wohlwollend zur Kenntnis genommen worden ist. Handlungsbedarf bestand und besteht, wie sowohl Schweinemast als auch Gewerbeplanungen zeigen.
Dass nun aber auf die Schnelle für den gesamten großen See-Umgriff mit höchst unterschiedlichen Bereichen ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden soll, wirkt anrüchig. Trotz aller anderweitigen Bekundungen - zumindest bei der Eile steht mit im Vordergrund, dass die Bauverwaltung den Schweinestall nicht noch im Herbst genehmigen muss. Zwar ist dies juristisch heikel - für einen Interessenausgleich auch in Sachen Maststall wäre ein Bebauungsplanverfahren tatsächlich nicht der schlechteste Weg. Dies könnte aber dahin führen, dass der Naherholung in Teilbereichen Vorrang gegenüber Stallprojekten eingeräumt wird. Dann wäre tatsächlich kein Platz für die "Sau in der Au".
Inzwischen müssen sich die Landwirte angesichts des weiter anhaltenden Widerstands aber eh fragen, ob es noch sinnvoll ist, an dem Standort festzuhalten.
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Friedberger Allgemeine - 05 08 2006
Es braucht noch viel Überzeugungsarbeit von Th. Goßner
Dieser Schuss ging kräftig nach hinten los. "Um objektiv und ohne Emotionen" das Projekt diskutieren zu können, befasste sich der Bauausschuss des Stadtrats vor kurzem in nicht öffentlicher Sitzung mit einem hochbrisanten Thema: dem geplanten Bau eines Schweinemastbetriebes namens "Küglehof" in der Friedberger Au. Damit hat die Politik aber weder sich selbst noch den drei Landwirten einen Gefallen getan. So musste sich den Bürgern zwangsläufig der Verdacht aufdrängen, dass im stillen Kämmerchen etwas gedreht werden sollte. Die wildesten Vermutungen von mehr oder weniger Sachkunde getragenen, begannen da im Städtchen zu kursieren. Selbst der Besuch des Landwirtschafts-Saatssekretärs im Hofladen wurde als Teil einer finsteren Verschwörung beargwöhnt.
Wie sensibel die Friedberger auf einen Eingriff in das Naherholungsgebiet rund um den See reagieren, weiß man ja: Beim gefloppten Freizeitpark-Projekt der Immos Group zeigte sich bereits, dass die Anwohnerschaft unterhalb und oberhalb der Lechleite vehement und auch mit harten Bandagen gegen eine Störung ihres Lebensumfeldes kämpft. Es hätte unter diesem Gesichtspunkt allen Beteiligten klar sein müssen, dass auch der Bau eines Schweinemastbetriebs an dieser Stelle nicht ohne Konflikte bleiben würde. Für die engagierten Bauern Friedrich Hintermayr, Stefan Körner und Martin Augustin ist es jetzt umso schwieriger, die hochkochende Diskussion wieder in den Griff zu bekommen. Das zeigte auch die Infoveranstaltung am Donnerstag Abend im Friedberger Parkcafé, bei der sich die drei nicht nur ernst zunehmenden Argumenten und berechtigten Sorgen, sondern zum Teil regelrechten Anfeindungen ausgesetzt sahen.
Auch wenn man berechtigte Zweifel an der Klugheit der Standortwahl hegen darf, sind böse Absichten sicher das Letzte, was man Körner, Augustin und Hintermayr unterstellen kann. Sie tun doch das, was wir uns alle regelmäßig wünschen, wenn ein Lebensmittelskandal den anderen jagt: Sie produzieren in respektvoller Haltung vor Mensch und Natur hochwertige Nahrung. Dass sie dabei auch ökonomische Gesichtspunkte im Auge behalten, versteht sich, denn es hängen immerhin die Existenz von drei Familien und ein Dutzend Arbeitsplätze an dem Betrieb. Ein Hof mit zwei Sauen, Krautgarten und Kartoffelacker funktioniert eben nicht mehr.
Dieser Zwang zur Größe wird für die drei nun zum Problem – auch wenn sie selbst ihr Projekt noch mit Augenmaß betreiben. Wer heute durchs Wittelsbacher Land fährt, der hat allüberall den penetranten Güllegestank von tausenden Tieren in der Nase. Und das soll beim Küglehof anders sein? So einfach glauben wird man es den drei Landwirten nicht. Augustin, Körner und Hintermayr müssen noch einiges an Überzeugungsarbeit und praktischer Demonstration leisten, wenn sie ihr Vorhaben im Konsens mit den Nachbarn verwirklichen wollen.
Mehr Fairness verdient
Dabei könnten sie es sich einfach machen und auf die baurechtliche Privilegierung ihres Neubaus pochen, gegen die es wohl keine Handhabe gibt. Weil sie aber gerade das erklärtermaßen nicht wollen, haben sie zumindest eines verdient, nämlich dass man ihnen eine faire, unvoreingenommene Diskussion ermöglicht und nicht einfach sagt: Schert euch weg, egal wohin.
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Paartaler Stadtzeitung - 16 08 2006
Passt die Sau in die Friedberger Au? von Joachim Meyer
Jedes Jahr kehrt ein Phänomen mit erstaunlicher Zuverlässigkeit wieder: groß, beinahe unübersehbar, angefüllt mit angeblichen Trivialitäten, vermeintlichen Belanglosigkeiten, Petitessen, großen und kleinen menschlichen beziehungsweise tierischen Dramen. Ein Jahrmarkt der medialen Gaukler und Illusionisten! Bundesweit übernahmen Problembär Bruno (Bild: "Musste Bruno wirklich sterben?") und Problem Ehemann Ottfried Fischer (Bild: "Nimmt ihn seine Frau wieder zurück?") mehr oder wenig freiwillig die Rolle.
Die Rede ist vom Sommerloch. Von Kulturpessimisten zu recht als "Saure-Gurken-Zeit" gebrandmarkt, übertrifft es heuer in Friedberg die kühnsten Erwartungen. Jeden Tag wird - noch nie traf die Redewendung so exakt zu! - eine neue Sau durch die Friedberger Au getrieben. Kommunalreferent Basch hat gar den Eindruck es würden "stündlich mehr".
Bei 2000 Schlappohrträgern sei man mittlerweile gelandet - Tendenz steigend. Schon rümpfen besorgte Anwohner pikiert die empfindlichen Riechorgane. Schweinereien dieser Größenordnung seien im Naherholungsgebiet kaum hinzunehmen, die zu erwartende Geruchsbeläsigung sei auch mit einer Haltung der Tiere auf Stroh nicht zu verhindern. Einer der betroffenen Landwirte hält trutzig dagegen: Der Baggersee sei etwa 500 Meter entfernt, eine Belästigung durch den Geruch nicht vorstellbar, da laut Deutschem Wetterdienst die Hauptwindrichtung zu 70 bis 80 Prozent aus Südwest komme. Die Luft werde vom Stalle weg über nicht bewohntes Gebiet geführt. Eine schier atemberaubende Argumentation.
Irgendwie scheint das ins Auge gefasste Gebiet unter keinem guten Stern zu stehen: zuerst Potemkinsche Dörfer der Immos Group, jetzt ein Saustall ohnegleichen. Doch noch ist für die Landwirte nichts verloren: Mag der Geruchssinn auch mit der Zeit abstumpfen, der Geschmackssinn aller Schnitzelfreunde bleibt aktiviert.
Ein Friedberger Stadtrat brachte es erdig-süffig auf den Punkt. Sein lakonischer Kommentar: "Alle wollen Fleisch essen, nur darf es im Vorfeld keinen Geruch und kein Grunzen geben." Na dann: Oink, Oink, Oink!
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